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Bibokinder

25. April 2016

Vierzehnte Ausgabe: Weshalb schulbibliothekarische Arbeit einen außerfachlichen Mehrwert hat oder: die Bibliothekarin zwischen Postadoleszenz und Vorbildfunktion

Wie auch im richtigen Leben hat man hier, in unserem kleinen Schulsoziotop, ein, zwei Hände voll Menschen, die man richtig mag und die einen zurückmögen. In meinem Fall nenne ich diese entzückende Gruppe „Bibokinder“. Das sind Schüler*innen, die aufgrund einer wie auch immer begründeten gegenseitigen Sympathie gern und freiwillig bei und mit mir sind. Nun erweitert sich das schulbibliothekarische Aufgabenspektrum plötzlich gewaltig. Bloß gut, auch Sozialpädagogik studiert zu haben! Sie schenken mir ihr Vertrauen und ich ihnen meine Anteilnahme, sei es an schulischen oder diversen anderen Hochs und Tiefs, die das Teenagerleben so mit sich bringt. Man hört zu, man tröstet, man rät. Man hilft aus, so gut man kann – mit Schreibwaren, Lektüre, Film- und Liedgut, Nervennahrung. Stets unter Rekrutierung der eigenen Pubertät. Das hält frisch und das eigene 14jährige Selbst darf regelmäßig „Hallo“ sagen und sich für die Länge einer Pause austoben. Zugleich steht man auf Distanz, man wird ja nicht jünger. Ist ein wenig froh, manche Erfahrung hinter sich zu haben. Und muss, wenn nicht das Gefühl, so doch das Buch, den Film, die Musik erklären, die einen damals begleitet haben. (Ich schreibe dies am Tag nach dem Tod von Prince. „Wer?!“, fragen mich die Bibokinder. Und ich stecke die Kopfhörer rein und höre princesche Lieder. In Dauerschleife, versteht sich. Die Bibokinder erkennen den Ernst der Lage und teilen ihre Süßigkeiten mit mir. Schöne Symbiose.)

Bibokinder finden sich in allen Jahrgängen:

Orientierungsstufe: „Ey, du, Frau Albrecht, weißt du…“ – „Es heißt: Ey, Sie, Frau Albrecht, wissen Sie“, erziehe ich. – „Tschuldigung, Frau Albrecht, aber weißt du…“

Sek. I: „Wieso nehmen Sie bei Quizduell immer Bücher und Wörter?“ – „Denk mal scharf nach!“ – „… Aso.“

Sek. II: „Ich brauch noch das Buch „Homophober“ von Max Frisch.“ oder „Wir sollen was ausleihen, es geht um Erdbeeren und Chili oder sowas.“ – „Das Erdbeben von Chili, Schatz.“

Dieser Tage läuft mal wieder das Abitur. Man fiebert mit, man leidet mit, man triumphiert mit. Reicht Wörterbücher, Duden, Tafelwerke raus. Bekommt ein letztes Mal ihre Schulbücher zurück. „Fehlt noch was, Frau Albrecht? Unterschreiben Sie jetzt mein Abmeldeprotokoll?“ Ein finaler, großartiger Moment. Ein trauriger auch. Später darf man das Vorwort für ihre Abizeitung schreiben und mit ihnen beim Abiball tanzen! Wieder Abschiede von Bibokindern. This is what it sounds like, when the doves cry.

Und danach? Aus den Augen aus dem Sinn? Es gibt erstaunliche Gegenbeispiele:

Bibokinder Tabea, Hannah und Felix (Abi 2015) – Postkarten aus Afrika. Spontane Bibobesuche in den ersten Semesterferien. Erfahrungsberichte aus dem Studienort, (meinem) Dresden.

Bibokind Jule (Abi 2014), jetzt meine Freundin und Babysitterin meiner Kinder.

Und es ehrt mich, diese Liste mit jedem Jahrgang ein Stückchen weiterführen zu dürfen!

Ein Bestseller geht um.

1.7.2015


Dreizehnte Ausgabe: Wie Leseförderung bibliothekarische Kreativität fördert.

Um mal einen Klischeesatz zu bemühen: Schüler lesen nicht mehr. Damit konfrontiert begann ich einst meinen Dienst und zog mit wehenden Leseförderungsfahnen in den Kampf  um die potenziellen Leser dieser Schule. Euphorisch und rückblickend leicht naiv, eröffnete ich eine Liste, in der die geneigte Schülerschar ihre Buchwünsche eintragen konnte. Denn – so meine These – wer nicht liest, hat nur noch nicht das richtige Buch für sich gefunden. Es dauerte denn auch nicht lange, bis sich das allseits gehypte „Fünfzisch Grades of Shay“ als das am innigsten herbeigesehnte Buch herauskristallisierte. Es folgten immer mal einzelne SchülerINNEN Klasse 9 aufwärts, die in einer Mischung aus Verschämtheit und Provokationsversuch x-beinig vor meinem Tresen standen und fragten: „Frau Albreeeeecht, warum kaufen Sie nicht „Grades of Shaaayyy“? Ich antwortete dann immer nicht minder provozierend: „Mach ich, aber dann gründen wir eine Buchgruppe, zerpflücken das Ding und stellen es bei der Kulturwoche vor.“ Das Interesse schwand so plötzlich und unmittelbar, wie es gekommen war. Merkwürdig.

Das nächste Mal als besagtes Stück *hüstel* „Literatur“ von sich reden machte, war, als ich kichernde OberstufenschülerINNEN mit liebevoll eingeschlagenen, ja sogar eingenähten Wälzern in der Bibo sitzen und – mein Herz wollte schon frohlocken – LESEN sah! Wie sich herausstellte, bereiteten sie sich vermittels eingehender Lektüre auf die Literaturverfilmung vor  – oho!  Wäre ich Deutschlehrer, ich hätte weinen mögen! Allerdings musste noch gewartet werden, bis die Letzte aus der Clique ihren 18. Geburtstag feierte, damit man in die Erwachsenenversion gehen konnte – eine Information, die mich ein wenig irritierte. Bis ich auf meine Nachfrage wieder x-beinige, verschämte und vermeintlich selbstbewusst das Kinn vorreckende Mädchen vor mir stehen hatte: „Grades of Shay“. Kicher.

Wenige Wochen später. Inzwischen schien es zum guten Oberstufenton zu gehören, den Film gesehen zu haben und (völlig geradbeinig und bei normaler Gesichtsfarbe) in der Bibo darüber zu sinnieren. Wobei einige Rezipienten im Nachhinein die Frage verwirrte, warum so schrecklich viele „ältere“ Paare (älter im Sinne von 40, 50+) im Saale anwesend waren. Auf meinen Einwurf, dieser Film sei das, was früher der Tanzkurs – nichts anderes als eine Ehebelebungsmaßnahme – war: Stille. Nachdenken. Dann unvermittelt schreckgeweitete Augen, nicht selten gefolgt von einem leicht angeekelten „Iiieeeeh!“ Ach, die lieben Kleinen.

Liebe Schüler, jetzt mal lesefördernd gesprochen: „Grades of Shay“ ist das Buch der Nichtleser. Anspruch geht anders. Der Lernwert beläuft sich für die Blickigeren unter euch bestenfalls darauf, dass man mit der inflationären Verwendung von Adjektiven zwar im Ausnahmefall ordentlich Geld verdienen kann, aber sein Deutschabi definitiv nicht besteht.

Wenn ihr mal richtig Eindruck machen wollt (und das sogar fachschaftsübergreifend – Deutsch, Französisch, Sozialkunde, vielleicht noch Geschichte und ja, auch Religion), empfehle ich euch: „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq. Bietet eine topaktuelle, politische Kontroverse und ist inhaltlich stellenweise genau das, was ihr sucht, aber ihr seht dabei halbwegs intellektuell aus und müsst nichts drum herumwickeln!

Ferien in Bibliothekarien

27.10.2014


Zwölfte Ausgabe: Warum die Bibliotheksarbeit nie schläft oder was die Bibliothekarin in den Ferien macht.

Für ein Willkommen im neuen Schuljahr mag es ein bisschen spät sein (Mitte Oktober); dennoch: willkommen im Schuljahr 2014/15, dem dritten Jahr meines Hierseins. Mir wurde neulich zugetragen, dass es dies kleine Stückchen Text zu einer Erwähnung beim Elternabend gebracht hat. Das erhöhte prompt meinen Endorphinpegel und gleichermaßen den Druck, einen neuen Beitrag zu verfassen, damit potentielle Neuleser nicht enttäuscht werden. Dann mal los, Kopf in schillerscher Denkerpose auf den Arm gestützt, Blick gen Wolken und sinniert, worüber sich zu schreiben lohne. Gerade ist es sehr schön ruhig, ideal, damit mir ein Blogeintrag einfalle. Indes sich die Christophorusschaft nämlich in den Herbstferien aalt, tummle ich mich HIER – im Sinne von: auf Arbeit, in der Bibo, oben, unterm Dach, in der Stille. Ein Traum!

In schöner Regelmäßigkeit kommt die Frage auf: was TUT die Bibliothekarin denn in den Ferien in der Bibliothek? Ausgiebig im Netz surfen? Exzessiv lesen? Tief und fest schlafen? Die Uhr anstarren und warten, dass die Zeit vergeht? – Ja, ja, denkt das mal nur, denke ich dann immer. Doch scheint es mir geboten, an dieser Stelle ein wenig Aufklärungsarbeit in eigener Sache zu leisten. Denn JA, liebe Leser, es gibt auch an schulfreien Tagen ordentlich was zu werkeln! Aufräumen geht prinzipiell immer, Ausmisten (so viele Altpapier, wie in der Bibo anfällt, kann der Fachbereich Kunst gar nicht vollkleckern), Veranstaltungen vorbereiten, Bestellungen tätigen, Katalogisieren – alles Aktivitäten, bei denen man Ergebnisse sieht; muss neben dem Ausleihbetrieb auch immer mal sein. Es ist mir jedes Mal wieder unbegreiflich, wie schnell so ein Acht-Stunden-Tag herum ist, wenn hier keiner ist. My Bibo is my castle! Je nach Arbeitszeit der anderen (nicht-lehrenden) Mitarbeiter, komme ich mir phasenweise schon wie die Queen of Haus 1 vor! Wenn man morgens in aller Frühe und Dunkelheit das Gebäude sogar entsperren muss (so richtig mit Schlüssel, 13stelligem Alarmanlagengeheimcode und lateinischer Beschwörungsformel), um an seinen Arbeitsplatz zu kommen, beschleicht einen doch ein etwas erhabenes Gefühl. Man zuckt jedoch auch entsprechend zusammen, wenn man mit einem reichlichen Teelöffel Vorstellungskraft ausgestattet ist und Geräusche hört, die eindeutig von Menschen ausgehen, die man eigentlich woanders verortet hätte. In meinen ersten Herbstferien hier versicherte mir einer der Hausmeister, ich müsse keine Angst haben, er sei ja da, außerdem werde es ohnehin bald hell. Und Recht hatte er – auf unsere Hausmeister und die Erdrotation ist Verlass. Auf meine Fantasie allerdings ebenso...

Fehlt mir in den Ferien irgendetwas auf die sehnsüchtig-schmerzliche Weise, mal von einer geöffneten Kantine abgesehen? Ich werde so ein unbestimmtes Gefühl nicht los, dass mit der Dauer der Absenz von Schülern und Lehrern ein gewisses Mitteilungsbedürfnis in mir wächst, weswegen ich ganz froh bin, wenn hier morgens wieder augengeränderte Leute hereinschlurfen und vor allem die Kollegen der Informatik zurück sind, um meinen Text hochzuladen.

Schuljahresrückblog

3. Juli 2014


Elfte Ausgabe: Von Mausefallen und Kornfängern oder warum ich so oft lachen muss.

Bevor das Schuljahr endgültig ausklingt, möchte ich meine kleine Leserschaft mit ein paar Highlights aus dem Bibo-Alltag in den Sommer verabschieden. Viel Spaß!

Immer wieder beeindruckt bin ich davon, wie vielfältig unsere Bibo oder Teile von ihr Verwendung finden. Ob für Empfänge, Konzerte, Wettbewerbe (Vorlese-/Känguru-) oder auch als letzte Zuflucht, wenn jedweder andere Raum der gesamten Schule belegt ist – hier ist es immer schön. Praktisch auch, dass man die Tische und Stühle jederzeit dahin tragen kann, wo sie gebraucht werden. Zum Beispiel beim Abiturschreiben in der Turnhalle. Das sieht dann so aus (vgl. Foto):   

Kommentar eines Schülers: "Sieht aus wie lauter Mausefallen."
– Dann möchte ich aber nicht die Maus dazu sehen …

Lustig wird es meist dann, wenn für Deutsch oder Fremdsprachen Lektüren ausgeliehen werden:

Eine Deutschklasse verlangte zum Beispiel: "Der Kornfänger" oder "Der Fänger im Heu" oder  "Der Fänger im Stroh" oder einfach nur "…irgendwas mit Jäger und Getreide…"

Und alle meinten dieses Buch:

Eine Englischklasse, beauftragt damit sich "The absolutely true diary of a part-time Indian" auszuleihen, verkürzte (bis auf wenige Ausnahmen) auf: "Das Buch für Frau Schenkel, bitte!"

Aber auch wenn ein Schüler, weiß, wovon die Rede ist, gibt es mitunter Grund zum Schmunzeln:
Abiturient: „Was muss ich noch abgeben?“
Ich: "Faust I."
A: "Wie sieht’n das aus?"
Ich: "Das ist so’n gelbes, kleines-"
A: "Fäustchen!"

Mein Favorit: eine Elftklässlerin gibt Goethes "Werther" ab: 
"Boah, der ging mir sowas von auf’n Keks!"

Zum Ende nehmen meine Arbeitstage nochmal ordentlich Fahrt auf, denn der Schulbuchtausch steht an. Die Top 3 der Sätze, für die sich Geld einzusammeln lohnen würde:

1. "Das haben wir nie benutzt."
2. "Das hab ich schon abgegeben."
3. "Brauch ich’nen Ausweis, wenn ich was ausleihen will?"

 

Interessant ist dabei immer, wie unterschiedlich die einzelnen Klassen die Aufgabe „alte Bücher stapeln“ interpretieren. Es gibt Klassen, da kann man nicht meckern

 

 

und welche, die eher kreativ zu Werke gehen.

 

 

Im Großen und Ganzen hat aber alles prima geklappt.

Drum weg mit uns allen in die verdienten Ferien!

Einen schönen Sommer!



Bibliothekarische Berufsberatung

19.03.2014


Zehnte Ausgabe: Wie man nur Bibliothekarin werden kann oder vom besten Job der Welt!

Neulich befragte mich die 3. Klasse zu meinem Beruf. Warum ich Bibliothekarin geworden sei, was man da den lieben langen Tag tut, welches Equipment man benötigt usw. Dann  arbeite ich derzeit Tür an Tür mit einer berufs- und studienberatenden Dame von der Arbeitsagentur. Das stimmt einen nachdenklich, man fängt an, über seinen Broterwerb zu grübeln. Nicht selten komme ich mir hier ziemlich exotisch vor. „Wie kann man nur Bibliothekarin sein?!“ frug mich dereinst eine Schülerin völlig ungläubig. Eine andere stellte fest: „Also, ich will später unbedingt studieren!“ – Spätestens da fing ich an, über die Klischees zu sinnieren. Die drei gängigsten Vorurteile gegenüber meinem Berufsstand sind:

1.
In einer Bibliothek arbeiten kann jeder.
Ergo: Wer in einer Bibo arbeitet, kann nichts anderes bzw. man muss nichts gelernt haben, um in einer Bibo zu arbeiten.
2. Man muss aber gerne bis sehr gerne lesen.
3. Bibliothekarinnen sind mindestens über 60, graue Mäuschen und alte Jungfern mit Dutt, Kettchen an der Brille und Strickjacke.

Zu 1.
Falsch! So unglaublich das klingt, es gibt den Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft! Da lernt man lauter spannende Sachen, u.a.: Bibliotheksmanagement, Kultur- und Literaturarbeit, Bibliotheksmarketing, Literaturbewertung, Buch- und Bibliotheksgeschichte (ok, das war langweilig), Formal- und Sacherschließung (ein Traum für Regelfreaks: katalogisieren!) und in meiner Fachrichtung Leseförderung, Schul-, Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit. Wenn man diesen vier Jahre lang durcharbeitet, bekommt man ein schickes Diplom. Der Fachausdruck für unsereins ist dann „Dipl. Bibl.“ – wenn das nichts ist!

Zu 2.
Auch falsch! Man muss nicht gerne lesen, es fetzt dann nur mehr! Was man muss: einen Ordnungstick haben. Das ist quasi Berufsvoraussetzung. Man muss Systeme und Kategorien irgendwie mögen. Und akribisch muss man sein. Eine Bibliothek ist eine planmäßig erschlossene, sortierte Büchersammlung. Ums kurz zu sagen: Wissen ist wissen, wo’s steht. Außerdem schadet es nicht, wenn man gern mit Leuten umgeht. (Es gibt auch Gegenbeispiele, die arbeiten dann aber in der Regel nicht in hübschen kleinen Schulbibliotheken; ich bevorzuge ein wenig Action.)

Zu 3.
Eine Frage: Sehe ich so aus?! Die Mehrheit meiner Kommilitonen war zwar weiblich und die paar Männer, die es gab, waren alle… sagen wir „individuell“. Aber es waren durch die Bank weg junge Menschen. Es gab weder überdurchschnittlich viele Brillenträger noch einen einheitlichen Frisurenstil. Andererseits kommentierte mein Mann einmal, als ich mit einer langen Strickjacke zu Hause rumlief: „Passt zu dir, die sieht so bibliothekarisch aus!“  

Zusammenfassung:
Auch wenn mir keiner glauben mag – ich hab den schönsten Beruf der Welt! Reich und berühmt werden ist bisher nicht nachgewiesen. (Proust und Lessing immerhin haben’s ein bisschen geschafft, aber eher nicht durch ihre bibliothekarischen Leistungen, zugegeben.) Jedoch – und jetzt kommt die Moral von der Geschicht‘ – arbeite ich in meinem Element, sehe Sinn in meinem Tun und kann davon leben. Drei nicht zu verachtende Argumente bei der Berufswahl, wie ich finde.



Nothing compares to you.

27.11.2013


Neunte Ausgabe: Was daran wunderbar ist, eine Bibo wie die unsrige zu haben.

Der November ist ziemlich am Ende, sodass ich schon drauf und dran war, meine Selbstdisziplin ein wenig zu lockern und gleich den Dezemberbeitrag zu verfassen. Doch dann begab es sich, dass eine reizende Lesermail ihren Weg in meinen Posteingang fand und mich direkt zum Beitrag für November animierte.

Ich kann ja schlechterdings einmal mehr die Einhaltung der Bibliotheksordnung anmahnen – obwohl... Aber nein, der treue BiboBlog-Leser kennt sie und die Konsequent-Zuwiderhandler ignorieren den Blog. Heute darum mal was anderes:

Des Öfteren besuchen uns „Externe“, soll heißen künftige Schüler und ihre Eltern, Studenten und ihre Dozenten, Delegationen aus diversen CJD-relevanten Bereichen und Personen, die grippeschutzimpfen, schuluntersuchen, berufsberaten oder sommerakademisch unterwegs sind. Und jedes Mal – ohne Übertreibung – j e d e s M a l, wenn Gäste wie sie unsere Bibo betreten, weitet sich ihr Blick, gefolgt von erstaunten Lautäußerungen und gemurmelten Worten der Bewunderung. Obwohl ich keinen Beitrag daran habe, bin ich dann stets ein wenig stolz. Denn ich erinnere mich, wie ich selbst bei meinem ersten Besuch hier ebendiese Reaktion zeigte. Und weil es mir bewusst macht, dass ich das schönste Büro der gesamten Schule habe.

Im krassen Kontrast dazu erlebe ich die Selbstverständlichkeit, mit der Schüler und Lehrer hier täglich hereinschreiten, -stürmen oder -schlurfen. Natürlich ist es irgendwann normal, dass man in die Bibo geht, wenn sie denn schon mal da ist. Irgendwann mag man deswegen nicht mehr freudig herumspringen. Trotzdem verdeutlicht es mir doch ständig, wie selbstverständlich wir sie nehmen.

Darum sei einmal über den Christophorus-Tellerrand blickend festgehalten:

  1. Schulbibliotheken, die
  2. gut ausgestattet sind,
  3. einen eigenen Raum, der größer als ein Klassenzimmer ist, benötigen,
  4. länger als 40 Stunden die Woche geöffnet sind und
  5. obendrein eine Diplom-Bibliothekarin vollbeschäftigen

sind in unserem gelobten Land auch im Jahr 13 nach PISA noch der reinste Luxus! Und ich denke in Rostock-, ach was, in Mecklenburg-Vorpommernweit ziemlich einzigartig.

Man halte sich diese Tatsache immer mal vors geistige Auge, wenn man Zuflucht in Freistunden sucht, wegen der Ausleihe eines popligen Reclamheftchens die 63 Stufen hochgejagt wird, ausdrücklich in den Büchern recherchieren soll, nicht an einem der wenigen PCs zocken möge, gebeten wird, sein Ausleihgut pfleglich zu behandeln und sich einen adäquateren Platz für seine Nahrungsaufnahme suchen muss.

Habt unsere Bibo ein kleines bisschen lieb – sie ist beinahe die einzige ihrer Art!



Bunt sind schon die Wälder

08.10.2013


Achte Ausgabe: Wie der Herbst hilft, eine BiboBlog-Schreibblockade zu überwinden.

Als ich heute einen Stapel alter Zeitungen zur Papiertonne trug, gab sich der Herbst größte Mühe, die Sonne auf farbige Blätter scheinen, den Wind milde wehen, mir eine Kastanie vor die Füße kullern und Frau Rethfeld ihre Klasse „Bunt sind schon die Wälder“ singen zu lassen, was kakophonisch aus einem geöffneten Fenster zu mir herunter drang. Wie immer in solchen Augenblicken beschlich mich ein Déjà-vu-Erlebnis, bin ich altermäßig ja noch nicht sooo weit weg von meiner eigenen Schulzeit. Wie wir da im staubigen Musikraum eines Dresdner Gymnasiums saßen und der Jahreszeit entsprechende Liedchen trällerten, um diese adäquat willkommen zu heißen (oder zu vergraulen, je nach Qualität der Singstimme). Schön, dass sich manche Dinge nie ändern!

Für die wenigen, aber dafür umso treueren Blogleser, die sich und mich schon frugen, wo der nächste Eintrag bleibt: mea culpa für die lange Abstinenz, vermutlich eine Schreibblockade. Das Schuljahr begann so abartig früh, dass es noch sommerte und andere Bundesländer gerade begannen, die Koffer zu packen, indes wir die Ranzen schulterten. Zeitweise herrschten 30°C hier oben! Ungünstige Blog-Temperatur. Schuljahresbeginne assoziiere ich für mein Teil streng mit Herbst. Nun herbstelt es vorbildlich und mir fallen plötzlich wieder zahlreiche Dinge ein, die es mitzuteilen gilt.

Punkt 1: Apropos Déjà vu – täglich grüßt auch in diesem Schuljahr das Murmeltier, liebe In-der-Bibo-Esser. Die Schülerstube hat ihre Pforten wieder geöffnet. Das solltet ihr unbedingt nutzen. Oder das noch schöne Wetter, um kauend Kreise auf dem Hof zu ziehen. In der Bibo sind Alufoliengeraschel und Tupperdosengeplopp nach wie vor verdächtig und unerwünscht. Und auch wenn der Kreislauf aus Nahrungsaufnahme eurer- und Ermahnungen meinerseits schon fast etwas Meditatives hat: lasst es bitte!

Punkt 2: Stichwort bunte Wälder! Auch der literarische Blätterwald soll noch bunter und vielseitiger werden. Im Zuge des Vorlesewettbewerbs filze ich wieder den Jugendbuchmarkt und werde den Bestand um einige Titel erweitern. Für Wünsche und Anregungen habe ich natürlich immer offene Ohren.

Punkt 3: Die Bibliotheksordnung hat eine kleine, aber wichtige Änderung erfahren. Das Einschlagen der Bücher ist so ernst wie möglich zu nehmen! Für jedes nicht liebevoll umschlagene Buch wird am Schuljahresende 1 € fällig. Und wer mich kennt, weiß, dass ich da nichts kenne und das Geld im E-Fall konsequent einsammle. Auf Wunsch kann der Gesamtwert des Schulbuchstapels für das aktuelle Jahr gern bei mir erfragt werden. Erstaunlich, welche Werte in Rucksäcken und Spinten lagern. Da ist eine profane Buchhülle locker drin.

Dies zur Einstimmung – allen SchülerInnen und KollegInnen ein gelingendes Schuljahr! Wenn wir uns wiederlesen, wird’s bestimmt schon weihnachtlich zugehen. Daher genießen wir die letzten schönen Tage!



Das ist mein Zimmer unter dem Dach…

15. Mai 2013


Siebte Ausgabe: Wie mein erstes Jahr in der Bibo war.

Da der Mai schon fortgeschritten, der Juni kein kompletter Schulmonat ist und wir alle ohnehin kollektiv den Ferien entgegenhecheln, will ich den letzten Eintrag für dieses Schuljahr bündeln. In meinem ersten Jahr an dieser Schule, in der Bibo hab ich viel erlebt. Und natürlich fleißig mitgeschrieben! Hier kommt daraus ein Best-of. Viel Vergnügen!

Besonders feierliche Momente:

  • Bücherlieferungen (ein Gefühl wie Weihnachten).

  • Bibliothekseinführungen (Es lebe Knolle Murphy!).

  • Schul- und Stadtentscheid des Vorlesewettbewerbs (danke, Hanna).

  • Lesungen (Dank den Herren Autoren C. D. Florescu und W. J. Egli).

  • Besuche der Grundschüler.

  • Adventszeit.

  • Geburtstag.

  • Ferienzeit (Sturmfrei!).

Schülerzitate:

  • 2 Abiturienten: „Ich soll so’n Buch ausleihen… Prometheus oder so…“ – „Alter, das heißt Antigore!“

  • Schüler: „Muss ich mich auch austragen, wenn ich nicht eingetragen war?“

  • Zehntklässler: „Haben Sie Ollivers Reisen?“

  • Kunstklasse: „Wir sollen was raussuchen zu Peter Paul Rubius.“

  • Schülerin: „Haben Sie so ein Buch mit Landkarten drin?“

  • 2 Sportler: „Servus, wir brauchen zwei Fäuste.“

  • Dialog mit einer Hochbegabten: „Das Buch geb ich bald ab, ich schreib mir noch die Vokabeln ab.“ – „Warum kopierst du dir die Seite nicht einfach?“ – […hält plötzlich inne und denkt drüber nach…]

  • Dialog mit einem Elftklässler: „Ich brauch ein Buch über Affen. Wir sollen einen Menschen oder ein Tier malen. Mensch ist mir zu schwer.“ – „Und da nimmst du‘nen Gorilla?!“ – „Ja, fast schon ein Paradoxon, nicht wahr?“

  • Selber Schüler, 10 Minuten später: „Ich brauch ein Buch über Erdmännchen.“

Danke allen Schülern und Kollegen für ein geniales erstes Jahr!

Erholsame Ferien……und lest schön!

Eure Daniela Albrecht [summt gut gelaunt vor sich hin „Das ist mein Zimmer unter dem Dach…“]



Do the Library Shake

05. April 2013


Sechste Ausgabe: Wie sich das Bibliotheksleben zeitgemäß optimieren lässt

Kürzlich las ich, dass die Bibliothekarin der Uni Oxford gefeuert wurde. Wenn so eine Meldung immerhin im Spiegel steht, muss ich sie natürlich ganz solidarisch lesen. Die Kollegin Calypso Nash – ich wusste gar nicht, dass Künstlernamen in meiner Branche möglich sind – hatte nämlich nicht verhindert, dass in ihrem Lesesaal der Harlem Shake getanzt, gefilmt und geyoutubt wird. Die Uni zeigte sich daraufhin not amused und entband sie ihrer bibliothekarischen Aufgaben. Ein bisschen inkonsequent, wie ich finde, denn wurde seinerzeit immerhin YouTube-Phänomen Psy ganz offiziell eingeladen und hielt stilecht mit Sonnenbrille eine Rede vor mehrheitlich koreastämmigen Oxfordlern, um ihnen anschließend noch den Gangnam Style beizubringen. My goodness! (Kann man auch online nachsehen.) Damals musste niemand gehen; Glück gehabt!

Mag sein, dass sich hierin wieder ganze Gräben zwischen den Generationen offenbaren, wenn ich zugebe, diesen Quatsch total belanglos und deshalb merkwürdig überbewertet zu finden. Aber wenn es das schon gibt, kann man es genauso gut versuchen, sinnvoll umzukonnotieren. Daher überlege ich, wie man solche Trends im Sinne der Bibliotheksoptimierung nutzen kann. Warum nicht ein Video drehen, in dem „ihr hippen jungen Leute“ wahllos unsortiert an Arbeitsplätzen sitzt und lernt und zwar auf jedem einzelnen Platz der Bibo. Sonnenbrillen wären erlaubt! Wer anonym bleiben will: liegengebliebene Mützen, Schals und Handschuhe zur Tarnung gibt es hier zuhauf. Oder wie wäre es mit einem Clip, der Schüler beim freiwilligen Lesen zeigt? Es soll ja welche geben, die das machen – und gut finden. Verrückt.

Als passionierte Listenschreiberin habe ich gleich weitere Ideen in petto:

  • Ausnahmslos jeder, der die Bibliothek betritt, sagt mal laut und freundlich „Hallo“ oder „Guten Tag“ oder irgendeine dieser total angesagten Grußformeln.
  •  Schüler räumen ihren Müll aus der Couchecke selbständig weg.
  • Stühle werden wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückgestellt.
  • Let’s get crazy und schlagen alle unsere Schulbücher ein.

Eigentlich alles gute Kinderstube und Standard. Eigentlich.

Oder wir packen ALLE diese Dinge zusammen! Dieses Video mag dann zwar im Netz kein Hit werden, aber wenn ich das beim Bibliothekartag zeige, spült es unsere Schule in ungeahnte Ligen der Vorbildlichkeit! Wir wären das Maß der Schulbibliotheksdinge. Wissenschaftliche Arbeiten würden über unser Beispiel geschrieben werden. Delegationen beispielsuchender Kollegen kämen zu Bibliotheksführungen unter unser Dach, auf der Suche nach unserem Geheimnis. Und ich könnte mir einen ähnlich starken Namen wie Calpyso Nash zulegen!



Das Auge liest mit

02. März 2013


Fünfte Ausgabe: Warum Goethe einen Illustrator gebraucht hätte.

02.03.2013

Fünfte Ausgabe: Warum Goethe einen Illustrator gebraucht hätte.

2013 ist nun offiziell etabliert und fortgeschritten, das zweite Halbjahr hat begonnen und es geht auch in der Bibo weiter mit Ausleihen, Rückgaben, Recherchen, Arbeiten, Bloggen. Business as usual.

Es gibt Phasen, in denen zahlreiche Klassen auf Geheiß ihres Deutschlehrers ein Buch, das es dann zu lesen gilt, ausleihen MÜSSEN. Der Erhalt der Lektüre wird dann gerne mit Sätzen kommentiert wie „Boah nee, voll das fette Buch.“ oder „Les‘ ich eh nicht.“ Dass mal jemand „Jippieh, Tod in Venedig!“, „Effie Briest, wie geil ist das denn?!“ oder „Krass, Alter – Goethe!“ sagt, hab ich hingegen noch nicht gehört. Und warum nicht? Lesen als abzulehnende Beschäftigung? Zu uninteressante Bücher? Jeder wird so seine Gründe haben. Ich bin da immer hin- und hergerissen. Einerseits war ich zu meiner Zeit auch kein glühender Fan der Pflichtlektüren (hab‘ aber komischer Weise immer alles gelesen). Andererseits haben die aus heutiger Sicht auch nicht geschadet; in meinem Fall waren sie sogar recht nützlich, denn als Bibliothekarin bietet sich eine gewisse, grobe Literaturkenntnis schon irgendwie an. Nun könnte ich natürlich die Pädagogin in mir von meiner Theke herab sprechen lassen, dass das alles gute oder zumindest erwähnenswerte Texte sind. Aber die stets um erfolgreiche Literaturvermittlung bemühte Bibliothekarin gewinnt da meist die Oberhand und somit dachte ich folgende Gedankenkette: Was wird freiwillig am meisten ausgeliehen? Lustige Taschenbücher. Warum? Weil die Ausleihenden glühende Disney-Fans und die Abenteuer aus Entenhausen der letzte Schrei sind? Etwas, das in Unterricht und Pause auf allen Smartphones herumgeistert? („Schon gelesen, wie die Panzerknacker Onkel Dagoberts Geldspeicher leergeräumt haben? – Echt jetzt? Schick ma‘ rüber!“) Kann ich mir nicht vorstellen. Wahrscheinlicher liegt es daran, dass es eben Comics sind. Gibt’s in Reclamheften auch nur ein einziges Bild? – EBEN! Bilder erleichtern den Einstieg in den Text; alte Bilderbuchweisheit.

 

Nun hat der Comic in der Literaturszene nichts zu lachen. Er wird schlichtweg nicht als Literatur anerkannt. Comicleser können ein Lied davon singen, dass sich ihre Eltern Sorgen machen, weil man nur Comics, nicht aber das von Oma und Opa zu Weihnachten geschenkte „gute Jugendbuch“ liest.  Dem Problem nahmen sich irgendwann die Verlage dieser Welt an, indem sie die Dinge einfach mal vermischten (was nicht zuletzt umsatzsteigernd wirkte). Und damit ein Comic über einen Klassiker der Weltliteratur nicht durch Ignoranz der Comicleser (pädagogisch wertvoller Inhalt, was soll das denn?) sowie der Intellektuellen (eine Bildgeschichte, wie profan!) gleichermaßen geächtet wird, gab man dem Produkt den neudeutschen Namen „Graphic Novel“.

Damit verhält es sich, wie bei allen anderen Büchern auch: es gibt gute und schlechte – alles reine Definitionssache. Meine Meinung ist: wenn ein Comic oder eine Graphic Novel es schafft, einen klassischen literarischen Text so zu adaptieren, dass Leute angesprochen werden, die so etwas sonst nicht mal ansehen würden, dass man beim Lesen seinen Spaß hat und obendrein anfängt, in der Originalvorlage zu stöbern, weil man wissen will, worauf der Autor/Zeichner anspielt und um den Witz zu kapieren, dann ist das GUT! Und deshalb begrüße ich hiermit offiziell die ersten zwei Graphic Novels in unserer Schulbibliothek: „Faust – Der Tragödie erster Teil“ und „Don Quijote“ von Flix!

Bin gespannt auf Euer/Ihr Feedback und schaue mal, was der Markt noch hergibt…



Jahresanfangsschwung

11. Januar 2013


Vierte Ausgabe: Wie der Bibliotheksalltag optimiert werden kann – eine Liste!

Das neue Jahr ist schon nicht mehr ganz so jung und die Weihnachtsferien noch nicht allzu lang her, doch steht schon wieder derart viel auf dem Plan, dass der Januar-Blog jetzt erst und direkt mit dem Februar-Blog fusioniert erscheint. Wir sind uns sicher einig, dass 2013 froher, gesünder, erfolgreicher, kurzum BESSER als 2012 wird – wie das immer so der Fall ist! Und eventuell kennen auch andere das Phänomen, alljährlich von einer Art Jahresanfangsschwung erfüllt zu sein, der einen dazu bringt, Pläne zu schmieden und diese dann auch tatsächlich umzusetzen. Mir geht es jedenfalls so, darum schnell die Ärmel hochgekrempelt und eine Liste geschrieben:

To-Do:

  • Für die 12er und 13er rückt das Abi nun in sichtbare Nähe. Und auch wenn ihr, liebe Abi-2013er dies verständlicher Weise zuvörderst auf dem Schirm habt, sollte euch klar sein, dass ihr euer sauer verdientes Abizeugnis erst dann auch wirklich ausgehändigt bekommt, wenn eure Bibliothekskonten RESTLOS aufgeräumt sind! Also fangt allmählich an, euer gesamtes Bibliotheksgut zusammenzusuchen, damit es dann am Schuljahresende mit einem großen, erleichternden Tusch abgegeben werden kann. Das hätte ja auch was symbolisch-befreiendes. Sonst droht eine wochenlange Kleckertour und das wollt ihr nicht und ich noch viel weniger!
  • Am zielgruppenspezifischen Literaturbestand soll weiter gefeilt werden. Das macht aber nur Sinn, wenn die Bücher auch ausgeliehen werden. Ich arbeite daran, das Angebot stets interessant und ansprechend zu gestalten. Dann müsst ihr aber auch mal was ausleihen… Ein Teufelskreis!
  • Infomedien wahrnehmen! Ich bilde mir ein, sämtliche Bibliotheksbelange inzwischen breitflächig kundzutun. Trotzdem begegnen mir immer wieder erschreckend uninformierte Menschen. Lenkt eure Blicke regelmäßig auf Bibliothekspinnwand, Schulwebseite, Ticker, ja sogar den Schaukasten (beim Haus-1-Eingang am Forum) und es dürfte euch eigentlich nichts entgehen.

Not-to-Do:

  • Die Frühstückspause in der Bibo verbringen, um dort zu frühstücken. Sehr faszinierend finde ich, dass sich einige Leute echt die Mühe machen, in den höchst gelegenen Raum der Schule zu steigen, um dort etwas zu tun, was sie WOHLWISSEND nicht dürfen. Ich empfehle euch die Schülerstube - dort duftet es nach frischen Brötchen, es darf sich geräuschvoll verhalten werden und man muss auch nicht so viele Treppen steigen!
  • Die Bibo verlassen, wie die Sau den Trog. Verzeiht die grobe Wendung, aber wäre es zu viel verlangt, den Stuhl, auf dem man saß, wieder an den Tisch zu stellen und das Lämpchen auszuknipsen? Der Nächste freut sich über einen adretten Arbeitsplatz. Und irgendwann ist jeder mal der Nächste…
  • Spielen am PC, YouTube laut stellen, Bibo-Ausweis vergessen… Na ja, Ihr wisst ja schon. Same procedure as every year!



Oh du Fröhliche

29. November 2012


Dritte Ausgabe: Warum Adventszeit in der Bibliothek groß geschrieben wird.

Seit acht Jahren lebe ich jetzt in Rostock und fühle mich die meiste Zeit des Jahres rundum assimiliert. Einzig der Dezember führt mir vor Augen, dass ich die Hülle meiner sächsischen Sozialisation wohl nie ganz werde abstreifen können. Denn vom Dialekt mal abgesehen, offenbart sich der größte Mentalitätsunterschied offensichtlich in der Adventszeit. Ohne jetzt eine Debatte über deutsche Weihnachtskultur lostreten zu wollen, komme ich nicht umhin festzustellen, dass man hier ungleich nüchterner zu Feste geht. Indes im Freistaat die erzgebirgische Volkskunst verschwenderisch den Weg pflastert, Herrenhuter Sternenwerk den Himmel erhellt und Stollen zum Grundnahrungsmittel avanciert. Aber spätestens beim Bummel über den – Achtung, Oxymoron – Rostocker Weihnachtsmarkt tun sich mir Abgründe auf. Das ist gar nicht böse gemeint, nur staune ich, dass mir all dies tatsächlich fehlt. Seither schreibe ich mir auf die Fahne, die Advents- und Weihnachtzeit zu zelebrieren, wie ich es gelernt habe. Lange Rede, kurzer Sinn: die geneigten Bibliotheksbenutzer seien vorgewarnt – sie betreten in diesem Monat nicht nur die Bibliothek, sondern das Weihnachtswunderland! Leider kann ich aus brandschutztechnischen Gründen die Decke nicht mit Fröbelsternen vollhängen. Von Pyramiden- und Adventskranzgebrauch ist ebenso abzusehen. Schwibbögen entfallen in Ermangelung von Fensterbrettern. Und meinen Räucherbibliothekar (original aus Seiffen!) werde ich wohl auch nur als Anschauungsobjekt aufstellen dürfen, anstatt ihn ordentlich eine knoxen zu lassen. *seufz* Hier appelliere ich an die Vorstellungskraft jedes Einzelnen.

Die gute Nachricht lautet: es gibt einen Adventskalender! Er hängt in Gestalt eines kleinen Gedichts tagtäglich an der Bibo-Pinnwand für alle, die gerne Türchen öffnen. Wer sich in dem Dilemma befindet, in Genuss dieses Kalenders kommen zu wollen, aber leider – der vielen Treppen und knappen Zeit wegen – höchst selten den Weg in die Bibo findet, kann den Adventskalender-Mailservice nutzen, indem er mir einfach seine Mailadresse zukommen lässt! (Wochenend-Türchen werden vorgezogen oder nachgereicht.) Des Weiteren wird pünktlich zum Fest auf der Bibo-Seite eine kleine Auswahl der empfehlenswertesten Kinder- und Jugendliteraturtitel 2012 erscheinen. Für den Fall, dass jemand nicht weiß, was er sich wünschen bzw. verschenken oder wie er die Weihnachtsferien rumbringen soll.

Am letzten Schultag dieses Jahres gibt es übrigens noch ein Jubiläum zu feiern! Denn am 20. Dezember 1812 erschienen das erste Mal die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm, weshalb – soweit der bibliothekarische Jahresausblick – 2013 zum Grimm-Jahr ausgerufen wurde.
Doch einstweilen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit sowie einen guten Rutsch!



Sächsisch für Bibliotheksbenutzer

01. November 2012­


Zweite Ausgabe: Warum die Bibliothekarin manchmal komisch klingt und was sie damit sagen will.

Dem ein oder anderen ist es vielleicht aufgefallen: hin und wieder verfalle ich ins Sächsische. Das kommt vor allem immer dann vor, wenn ich entweder an Heimweh laboriere (regelmäßig in der Vorweihnachtszeit), kürzlich mit Freunden und Verwandten aus meiner Heimatstadt Dresden telefoniert habe oder gleich ganz dort war. Daher heute ein Crashkurs, um etwaigen Verständnisschwierigkeiten vorzubeugen:

  1. Nu! = Das elementarste Sächsisch-Wort schlechthin. In meiner Heimat gibt es den Spruch: Nu heißt ja. Nu-nu heißt JA DOCH! Nicht zu verwechseln mit Nö!

  2. Muuschebubuh = Bezeichnung für die „kuschligen“ Lichtverhältnisse in der Bibo, wenn es morgens dieser Tage noch dunkel ist. Die Schreibtischlampen sind inzwischen hervorgekramt worden, um Tisch und Geist auch schon zu früher Stunde zu erleuchten.

  3. Or nee, hä?! = Ein Ausruf, den man mit „Ach, nicht doch!“ übersetzen könnte. Kommt immer dann vor, wenn irgendetwas (oder –wer?!) total nervt. Wie Leute, die immer noch meinen, heimlich am Rechner spielen zu können, weil Frau Albrecht das nicht sieht. Liebe Betroffene: sie sieht es doch! Und überlegt sich derzeit die Konsequenzen. (Vielleicht sollten diejenigen 100x den letzten Blogeintrag oder wahlweise die Bibliotheksordnung handschriftlich abschreiben?) Und bei der Gelegenheit gleich noch zwei „No Gos“: YouTube ohne Kopfhörer und Essen in der Bibliothek!

  4. Gloobsch ni! = Das glaube ich nicht. Zum Beispiel, dass jemand ein Buch nicht hat, ja überhaupt noch nie gesehen geschweige denn ausgeliehen hat, welches aber eindeutig auf seinem Konto verbucht ist. Ranzen, Spint, Zimmer – lieber nochmal alles absuchen, sonst droht der Ersatz auf eigene Kosten!

  5. Huddeleien = Schwierigkeiten, die man bekommt, wenn man wiederholt und wider besseres Wissen gegen die Bibliotheksordnung verstößt (siehe auch 3. und 4.). Da werd‘ ich fuchtig. Huddeleien äußern sich meist in Ansagen meinerseits, können im Ernstfall allerdings auch in Gestalt von Klassenlehrer- und/oder Elterngespräch daherkommen. Der- oder diejenige braucht dann auch nicht ietzig zu werden und rumdiggschn.

Alles klar soweit? Guddi!

Und jetzt noch eine Neuigkeit speziell an alle Lesefreudigen - das Kinder- und Jugendliteraturregal hat Zuwachs bekommen: einige Titel der Wunschliste stehen euch nun zur Ausleihe zur Verfügung. Eine Übersicht und kurze Inhaltsangaben über die Neuzugänge findet ihr hier. Wer zu diesen Büchern eine kleine Rezension für die Bibo-Seite schreiben möchte, sollte das unbedingt tun. Gebt oder mailt mir eure Buchbesprechungen! Herzlichen Dank an alle, die sich mit Feuereifer an der Aktion beteiligt haben! Die aktuelle Wunschliste ist nun randvoll. Weitere darauf genannte Titel werden langfristig auch noch besorgt.

An die interessierten Leser, welche die Anschaffung der Werke von Charlotte Roche, E. L. James und ähnlich gelagerter „Literatur“ angeregt haben: bei euch huschelt’s wohl? ;-)



Blogito ergo sum!

08. Oktober 2012


Erste Ausgabe: Warum es jetzt ein Bibliotheksblog gibt und die Bibliothekarin Unbeliebtheit riskiert.

Die Bibliothek ist ähnlich der Mensa ein wichtiger Dienstleister für Schüler und Lehrer. Jeder, der sich hier hocharbeitet, regelt, was er zu regeln hat, mit mir als Ansprechpartnerin. Soweit die eine Seite der Kommunikation. Doch gibt es umgekehrt etwas aus der Bibo mitzuteilen, wird’s schwierig, alle zu erreichen. Der Ticker ist tauglich für akute Kurzprosa in SMS-Format, sozusagen Breaking News. Dafür nutze ich ihn gern und oft. Mitteilungen in epischer Breite und Schachtelsatzgewand würden ihn aber vermutlich sprengen. Deswegen gibt’s jetzt, quasi als mein Sprachrohr, dieses kleine Blog (es heißt tatsächlich DAS Blog, hab’s nachgeschlagen). Es soll mir dazu dienen, Schülerschaft und Kollegium gleichermaßen über Aktuelles zu informieren – das Ganze möglichst kurzweilig und auf A4. Sonst liest das ja keiner. Mein ehrgeiziges Ziel ist es, dieses regelmäßig einmal im Monat zu tun.

Und los. Vorgestellt hab ich mich ja schon im Halbjahresheft, während unsere gegenseitige Gewöhnung aneinander nach wie vor im Gange ist. Bewährtes versuche ich weiterzuführen und manches wird einfach ausprobiert und solange geändert, bis es funktioniert. Zum Beispiel die Computernutzung. Auch auf die Gefahr hin, einen Großteil der Schülerschaft zu entrüsten, rufe ich hiermit folgende Bibliotheksregel aus- bzw. in Erinnerung: Die Computer dienen ausschließlich schulischen Zwecken – soll heißen:

  • YouTube-Nutzung nur mit Kopfhörern! (Sofern sich Schule und YouTube nicht von vornherein gegenseitig ausschließen.)

  • Kein PC-Spielen! (Na gut, ich will nicht so sein: Kein PC-Spielen vor 15 Uhr!)

Das hat sogar einen Grund: Stichwort Konzentration. Für den schulisch angestrebten Wissenserwerb von Bedeutung und nicht zuletzt auch für mich, die ich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den PCs arbeite. Die Bibliothek als Ort der Stille mag ein Klischee sein, hat sich aber bewährt. Hausaufgabengrüppchen, literarische Zirkel oder geräuschlose Chiller sollen ausdrücklich gern die Bibo nutzen, Suchende nach einem ruhigen Arbeitsplatz erst recht! Szenarien, in denen sich Schüler PC-Nummern zuschreiend in Traubenformation vor einem Bildschirm versammeln, worauf Onlinespiele oder das komplette YouTube-Œuvre zur allgemeinen Heiterkeit beitragen, gehören hingegen auf die Gamescom. Doch da erzähle ich im Grunde nichts Neues; steht alles in der Bibliotheksordnung, die selbstverständlich jeder gelesen und auswendig gelernt hat!

Abschließend noch ein persönliches Anliegen: Fazit nach meinen ersten 2 Monaten am CJD – so eine Stellennachfolge hat’s in sich, gerade bei einer Einzelstelle wie die der Bibliothekarin. Daher danke ich einerseits all jenen (einschließlich Frau Runge), die mir nach wie vor für Fragen aller Art ihr Ohr leihen. Andererseits allen Schülern, Lehrern und Mitarbeiten, die nicht gleich ausflippen, wenn es Probleme/Unklarheiten/Verzögerungen im gewohnten Ablauf gibt, ein herzliches Dankeschön!

BiboBlog

Rostock, 1. Juli 2015

Nun - nach langer Durtstrecke - ist er da! Zum Ende des Schuljahres 2014/2015 erscheint Blogausgabe 13! Blogger ist nach wie vor unsere Bibliothekarin, Frau Albrecht. Sie möchte über aktuelle Belange und Neuigkeiten rund um die Nutzung der  Schulbibliothek schreiben. Alle Informationen sind sowohl an die Schülerschaft, deren Eltern als auch an das Kollegium gerichtet. Viel Spaß beim Lesen ...
UB  

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