Das CJD - Die Chancengeber CJD Christophorusschule Rostock

Bericht von Natalie Dworschak

Im vorherigen Jahr bekamen wir einen französischen Schüler in unsere Klasse, der am Brigitte-Sauzay-Programm teilnahm. Er erzählte viel von dem Austauschprogramm, von seinen Erlebnissen und begeisterte mich für die französische Sprache. Als wir die Möglichkeit bekamen, an dem Austauschprogramm teilzunehmen, bewarb ich mich mit der Hoffnung, meine Sprachkenntnisse verbessern zu können. 

Französische Austauschschüler in Deutschland

Nach einigen Monaten erhielt ich die Zusage auf meine Bewerbung und einen kleinen Steckbrief meines Austauschschülers. Doch der Aufenthalt meines Gastschülers in Deutschland war sehr ernüchternd, denn er interessierte sich kaum für die deutsche Sprache und zeigte nicht viel Begeisterung. Einige Male luden wir eine andere Französin ein, die ebenfalls an dem Programm teilnahm, wodurch sich mein Austauschschüler besser integrierte und sie Ablenkung von Problemen mit ihrer Austauschfamilie hatte.

Nach der Abreise meines Franzosen antwortete er mir auf keine Nachricht, wodurch ich Angst bekam, zu ihm zu fahren. Jedoch erhielt ich eine Woche vor meiner Ankunft in Frankreich die Erlaubnis, meinen Aufenthalt bei einer anderen Französin zu verbringen, mit der ich in Deutschland viel unternommen hatte. 

Mein Aufenthalt in Frankreich

Nach einem anstrengenden Tag im Auto, Zug und Flugzeug kam ich bei ihr an und sie zeigte mir mein Zimmer. Sie wohnte auf der Insel île de Ré in einem der schönsten Dörfer Frankreichs, namens La Flotte.

La Flotte lag an der Atlantikküste in der französischen Region Poitou-Charentes, der Austauschregion Mecklenburg-Vorpommerns. Der Ort lag an der Nordküste und glänzte mit seinem wunderschönen Hafen. Das Festland und damit die Großstadt La Rochelle erreichte man über eine drei Kilometer lange Brücke, die die Insel île de Ré mit La Rochelle verband, über die wir jeden Tag zur Schule fuhren.                                                                 

Französisches Schulleben

Am nächsten Tag ging ich nur zur Schule um mich anzumelden. Der zweite Abend begann mit der Einführung in das dortige Partyleben, was für mich eine sehr große Umstellung bedeutete. Auch der Schulalltag war zuerst sehr anstrengend, da ich nicht alles verstand, doch es besserte sich von Tag zu Tag. Ich verbrachte einige Unterrichtsstunden damit zu schlafen, da der Schultag um einiges länger war als in Deutschland, man wenig Freizeit hatte und ich dadurch schon nach kurzer Zeit sehr erschöpft war.

Innerhalb der nächsten Wochen verzeichnete ich immer mehr sprachliche Erfolge, die Angst vor dem Sprechen verringerte sich und ich verstand zunehmend mehr. Der Unterricht gestaltete sich interessanter, weil die Lehrer besser auf mich eingingen und mich in alle Aufgaben mit einbanden. Der Zusammenhalt zwischen den Schülern meiner Klasse und mir wuchs stetig, wir trafen uns oft an den Wochenenden und sie wurden mir zunehmend wichtiger. Wir unterhielten uns viel, wodurch sich meine Sprachkenntnisse enorm verbesserten.

Freizeit in meiner Austauschfamilie

Meine Austauschfamilie sorgte am Wochenende für viel Unterhaltung und Erlebnisse. Am zweiten Wochenende fuhren wir in die Pyrenäen und besichtigten einzigartige viele Sehenswürdigkeiten. Wir gingen in einen Tierpark, besuchten eine Hundeausstellung, fuhren Sommerrodelbahn und schliefen auf einem Zeltplatz mit einer riesigen Poollandschaft.

Der Höhepunkt war ein Ausflug nach Lourdes. Da meine Gastfamilie und ich katholisch sind, war es ein sehr prägendes Ereignis. Die erste Woche der Ferien verbrachte ich in Niort bei meiner besten Freundin, die ebenfalls an dem Austausch teilnahm. Wir sahen uns die Umgebung an und machten einige Einkaufsbummel, wodurch ich die Stadt besser kennenlernte. In der zweiten Ferienwoche traf ich mich mit Freunden aus der Austauschklasse, wodurch ich auch umgangssprachlich sicherer in der französischen Sprache wurde.

Die Überraschung - eine Reise nach Paris

Am Wochenende vor meiner Heimreise wartete eine große Überraschung auf mich. Meine Gastfamilie plante einen Ausflug nach Paris. Nach der Schule fuhren meine Austauschschülerin und ich mit dem Zug in die Hauptstadt Frankreichs.

Um 23.00 Uhr angekommen machten wir uns sofort auf den Weg zum Eiffelturm bei Nacht. Es war beeindruckend. Ich sah dieses einzigartige Bauwerk zum ersten Mal. Zu jeder vollen Stunde funkelte der ganze Eiffelturm für fünf Minuten. Danach beschlossen wir, uns die Champs Élysée ebenfalls bei Nacht anzusehen, der überwältigende Eindruck durch die von der Weihnachtsdekoration noch stärker zum Ausdruck gebracht. Am frühen Morgen des darauffolgenden Tages sahen wir uns die Pyramiden des Louvres an und machten eine kleine Bootstour auf der Seine. Zum krönenden Abschluss gingen wir ein wenig shoppen. Den Abend bekamen wir spontan und mit sehr viel Glück kurz vor Beginn des Konzertes von Stromae Eintrittskarten. Es war ein gelungener Tag und deshalb entschieden wir den Sonntag ruhig anzugehen. Gegen Mittag gingen wir auf den Place du Tetre und sahen uns all die wunderschönen Portraits an. Am Abend hieß es für uns dann leider Abschied nehmen und die Heimreise antreten.

Es verblieb die letzte Woche. Sie war toll, jedoch fiel mir die Verabschiedung sehr schwer.

Rückblick

Jetzt, im Nachhinein kann ich sagen, dass ich sehr viel dazu gelernt, viele Erfahrungen gesammelt und wundervolle Freunde gefunden habe. Ich verlebte eine tolle und wunderschöne Zeit bei einer liebevollen Gastfamilie, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.

In den Sommerferien des Jahres 2015 darf meine Familie bei meiner französischen Gastfamilie Urlaub machen und es sind noch weitere gemeinsame Urlaube in Planung. Was mir während meines Aufenthaltes aufgefallen ist, ist, dass ein großer Teil der Menschen in Frankreich herzlicher und offener miteinander umgehen. Es gibt nur wenige, die sich respektlos dem anderen gegenüber verhalten. Andererseits halten sich nur wenige an Regeln und sehen alles gelassener. Wenn man eine Stunde zu spät kommt, ist das halb so schlimm, Hauptsache, man fühlt sich wohl. Mir fiel sehr stark auf, dass sehr viele Jugendliche rauchten und niemand etwas dagegen sagte.Für meine Austauschschülerin und mich stellte diese Tatsache ein großes Problem dar, da wir an Asthma leiden. Aber ich bin sehr froh an dem Austausch teilgenommen zu haben.

Ich habe viel dazugelernt, mein Selbstbewusstsein gesteigert und eine andere Kultur kennen- und lieben gelernt. Es war ein Erlebnis, welches ich nie vergessen werde.